Schwarzer Tag im Derby, BG Karlsruhe chancenlos gegen Kirchheim
8. Februar 2010 | 7:02 UhrKarlsruhe (jre). Einfach ist es nicht, wenn man sich auf die Suche nach positiven Aspekten aus BG-Sicht machen möchte. Wäre da nicht das lange herbeigesehnte Comeback von Stefan Fahrad, wäre es wohl ausnahmslos ein Tag zum ganz, ganz schnell Vergessen. „Solche Tage gibt es im Basketball“, kommentierte Coach Ivan Vojtko nach 40 Minuten, die ihn an der Seitenlinie der Verzweiflung nahe gebracht haben dürften. 15 Minuten war das Derby recht ausgeglichen bis sich die Gäste kurz vor der Halbzeit ein Neun-Punkte-Polster erarbeiteten. Im dritten Viertel brachen dann alle BG-Dämme – während bei den Knights alles zu gelingen schien, leisteten die Hausherren defensiv wie offensiv kaum Gegenwehr und sahen sich vor dem letzten Abschnitt einem 25-Punkte-Defizit gegenüber. Zum ersten Mal in der Spielzeit hatten die Badener gegen Spielende keinerlei Siegchance und mussten sich mit 77:98 geschlagen geben.
Von Beginn an präsentierten sich die Ritter hellwach und willig, den Sieg aus der Fächerstadt mitzunehmen. Nach gut zwei Minuten führten die Gäste vor allem durch neun Zähler von Gordon Scott mit 7:11. Angeführt von Kapitän Rouven Roessler kam dann auch die BG-Offense langsam ins Laufen. Acht Punkte in Folge brachten die Karlsruher mit 15:11 in Front (4.). Von Beginn an machten die Gäste der BG das Leben mit dem Wechsel zwischen Mann-Mann- und Zonenverteidigung schwer. Dennoch gestaltete die BG das Spiel sehr offen, traf mehrfach aus der Distanz und konnte mit 26:25 in die ersten Viertelpause gehen.
Mit spürbar mehr Intensität in der Verteidigung gingen beide Teams zu Beginn des zweiten Viertels zu Werke. Ein Fastbreak-Dunk von Jeremy Black nach zwei Minuten und elf Sekunden zum 32:30 für seine Farben sollte gleichzeitig der letzte Feldkorb der Badener in der ersten Hälfte sein. Hatte zunächst wenigstens die Defense der BG funktioniert und auch die Teckstädter vom Punkten abgehalten, änderte sich das Mitte des Viertels. Vor allem den Bankspieler Chris Gilliam (neun Punkte) und den überragend aufspielenden Guard Cedric Brooks (vier Punkte) konnte die Vojtko-Truppe in dieser Phase nicht mehr stoppen. So sorgten sie im Alleingang für den 13:4-Run zur Kirchheimer 36:45-Halbzeitführung.
Wer nun auf die Wirkung der Halbzeitansprache von Coach Vojtko vertraut hatte, wurde direkt nach Wiederbeginn mächtig enttäuscht. Den Eröffnungsdreier von Brooks beantwortete noch Roessler ebenso aus der Distanz. Fünf Punkte von Gilliam und ein Dreier von Radivoj Tomasevic schienen dann den Karlsruher Widerstand endgültig zu brechen. Wie chancenlos die BG vor allem zu dieser Zeit war, beschreiben am besten die nackten Zahlen des Viertels:
Die BG traf vier von 16 Feldwürfen, Kirchheim 13 von 19. Die BG sammelte fünf Rebounds, Kirchheim 13. Die BG verteilte drei Assists, Kirchheim acht…
Einziges positives Element in einem desolaten Viertel war das Comeback von Stefan Fahrad, der nach langer Verletzungspause drei Minuten von 23 Sekunden vor Ende des Viertels erstmals in dieser Saison das Parkett betrat, auch wenn er verständlicherweise noch weit von seiner Topform entfernt ist und dem Team vor allem einen mentalen Schub geben sollte. Ein 14:0-Run binnen dreieinhalb Minuten brachte die wie entfesselt aufspielenden Gäste schließlich bis auf 46:74 in Front. Beim Stand von 51:76 ging es in die letzte Viertelpause. So war schon vor dem letzten Abschnitt klar, dass es für die BG an diesem Sonntag nichts mehr zu gewinnen gab. Vojtko nutzte die Schlussminuten, um auch den Nachwuchskräften Spielzeit zu gönnen.
Unter dem Strich stand nach 40 Minuten eine ernüchternde 77:98-Pleite gegen einen direkten Kontrahenten. Besonders die ungewohnten Probleme in der Defense, das schwache Rebound-Verhalten am eigenen Korb (15 Defensivrebounds der BG stehen 17 offensive für Kirchheim gegenüber) und die schwache Wurfquote (35 Prozent bei 19 Prozent Dreiern) fallen bei der Analyse ins Auge.
Während die BG ihren schwächsten Tag der gesamten Saison erlebt hatte, spielten die Gäste ihre tiefe Bank aus und jeder Spieler konnte seinen Teil zum Erfolg beitragen. „Kirchheim war heute sehr gut, wir nicht. Wir haben diese Woche gut trainiert und nichts hat darauf hingedeutet, dass das passieren könnte“, so Vojtko auf der Pressekonferenz. „Das müssen wir jetzt ganz schnell abhaken“, gab er auch gleich das Motto für die nächsten Spiele vor.
„Ich glaube, wir haben mit unsere Zone heute sehr viel richtig gemacht. Ich will nicht von einer Überraschung sprechen, weil ich weiß, wie gut wir mit dieser Besetzung spielen können, aber ich bin stolz, dass wir in Karlsruhe gewonnen haben.“, äußerte sich ein glücklicher Gästetrainer Frankie Ignjatovic.
Für die BG steht am Dienstag ein Regiotag in Rastatt vor der Tür, ehe man am Samstag zu Gast beim Bundesliga-Absteiger Nördlingen ist und schon am Donnerstag, den 18. Februar, die Gelegenheit hat, sich gegen Jena vor heimischem Publikum zu rehabilitieren.
Punkte BG: Roessler 21 / 6 As, Black 16 / 8 Reb, Baker 11, Grimaldi 9, Rüeck 8, Richardson 6, Kazarnovski 4, Lieser 2
Punkte Knights: Brooks 23, Scott 20, Gilliam 18, Tomasevic 13, Heyden 12, DeMichael 4, Menck 3, Chennoufi 3, Lischka 2
Quelle: BG-Karlsruhe
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